Lyrics:
Ulrich Roski - DIE BALLADE VOM MUTIGEN EICHHORN lyrics
Album:
Unknown
In einem gut gepflegten Stadtforst lebte einmal ein mutiges und belesenes Eichhorn direkt am
Rande des
Natur-Lehrpfades...
Dort trug jeder Baum ein Namensschild, damit er wußte, wie er hieß, und das belesene Eichhorn
Prägte sich
Alles genau ein... - besonders die lateinischen Namen...
Mehr tat es nicht, denn es wollte gern
Ein intellektuelles Eichhorn sein...
Frau Eichhorn war das nun aber gar nicht recht...
"Keine Nuß ist auf der hohen Kante", raunte sie,
"und nichts hab' ich anzuzieh'n... - Seit Jahren lauf' ich nun schon herum in diesem schäbigen
Braunen
Filz...!"
"Aber Porcia", entgegnete das Eichhorn mutig,
"so hat es die Natur nun mal gewollt.
So steht es auch auf jener Tafel: Gemeines Eichhorn,
Scimurus vulgaris, baumbewohnendes Nagetier, buschiger Schweif, Fell: rötlich-braun."
Frau Eichhorn sprach: "Von deinen Tafeln brauchst du mir gar nichts vorzuschwafeln...! Ich
Wünsche mir,
Denn mir gefällt's, zum Winter einen Wieselpelz."
"Wiesel..?!?", jammerte das Eichhorn mutig,"Hör ich recht...?!? - mustela nivalis...?!? -
Blutrünstiges
Kleinraubtier und natürlicher Feind des gemeinen Eichhorns...?!?"
"Auch ein Feind", meint Frau Eichhorn gut aufgelegt, "hält warm, wenn man sein Fell im Winter
Trägt... -
Und nun, mein geliebter sivicius praecox, scher' dich fort...! - sonst blas´ ich dir Pfeffer in
Deinen
Podex colossalis...!"
Da schlich das Eichhorn mutig von dannen,
Bewaffnete sich mit einem knorrigen Waldglockenblümchen, und machte sich auf die Wieseljagd...
Um sich Mut zu machen murmelte es dauernd geflügelte Worte, wie: "Si tacuisses, philosophos
Mansisses..."
"So isses...!", meinte das Wiesel und sprang auf den Busch!
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- "Doch sei auf der Hut! Mich gelüstet nach deinem Römerblut...! Ergo status!"
Beherzt sprang das Eichhorn auf eine nahegelegene Tanne und zitterte so heftig vor Mut, daß ein
Zapfen
Herunterfiel, und dem Wiesel das Bewußtsein raubte...
Als es sich nach einer guten Stunde immer noch nicht gerührt hatte, sprang das Eichhorn mutig
Vom Baum
Herab, und hieb ihm, mit einem gewaltigen Streich, die Glockenblume ins Genick...
Da starb das Wiesel mit Gestöhn' und rief:"Und dennoch war es schön...!" "Vae victis"
Triumphierte das
Eichhorn mutig schleifte das Wiesel durch den Wald und brüllte:
"Ich hab' das Unmögliche möglich gemacht,
Ich habe das Wiesel umgebracht...!
In meiner Wut bin ich fürchterlich! -
Ich bring' dir den Pelz, Porcia... - freust du dich...?"
Doch Porcias Freude war nicht ungetrübt, denn der Marder hatte sie grade gefressen... Und
Ungeniert
Verspeiste er das mutige Eichhorn zum Dessert... "Zwei Hörnchen im Bauch", meinte er danach,
"sind besser,
Als ein Brötchen auf dem Dach..."
Moral:
Sitzt der Marder hinterm Baum nützt Latein dem Eichhorn kaum.
Oder:
Wer das Unmögliche möglich macht, sollte dennoch das Wahrscheinliche nicht ganz aus den Augen
Verlieren...
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